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Funktionswestenkennzeichnung der Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren und Berufsfeuerwehren in Thüringen

(überarbeitet nach der Thüringer Feuerwehr-Organisationsverordnung vom 27.01.2009; die früheren Helmkennzeichnungen sind hier (PDF) beschrieben.)

Da während eines Einsatzes die Aufgabenverteilung innerhalb der ausgerückten Einheiten (selbstständiger Trupp, Staffel, Gruppe, Zug, Verband) klar sein muss, werden die Führungskräfte und Sonderfunktionsträger der Feuerwehr in bestimmten und eineindeutigen Funktionen eingesetzt.
Die Funktion wird durch farblich unterschiedlich gestaltete und zu gleich mit verschiedenen Aufschriften versehenen Funktionswesten, die über der Feuerwehrschutzbekleidung getragen werden, deutlich für alle sichtbar kenntlich gemacht. Dabei sollen nicht nur die eigenen Feuerwehreinsatzkräfte über den Aufbau der Führungsstrukur informiert werden, sondern insbesondere auch andere, feuerwehrfremde Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), wie zum Beispiel die Polizei, der Rettungsdienst, das Technische Hilfswerk, der Katastrophenschutz, die Bundeswehr usw. Hierdurch wird gewährleistet, dass die Führungskräfte der anderen BOS, die natürlich ebenfalls deutlich sichtbar gekennzeichnet sind, sofort die richtigen Ansprechpartner im Bereich der Feuerwehr finden und die Feuerwehr die Ansprechpartner im Bereich der BOS. Dies ist besonders bei Großschadenslagen mit vielen verschiedenen BOS und vielen Einsatzkräften vor Ort wichtig.

Natürlich muss die Führungskraft zum Ausüben der Funktion die entsprechenden Lehrgänge erfolgreich absolviert haben und in die entsprechenden Führungsfunktionen rechtskräftig mittels Ernennung durch den Dienstvorgesetzten, z.B. Bürgermeister, berufen worden sein. Die Qualifikationen und Ernennungen werden mittels Dienstgraden und Funktionsabzeichen auf der Dienstkleidung kenntlich gemacht.

Im folgenden sind die Funktionswestenkennzeichnungen der ehrenamtlichen (Freiwillige Feuerwehren) und hauptamtlichen (Berufsfeuerwehren oder hauptamtliche Wachen) Feuerwehreinsatzkräfte des Bundeslandes Thüringen dargestellt und erläutert.
Quelle : Thüringer Feuerwehr-Organisationsverordnung (ThürFwOrgVO) vom 21. Januar 2009

Funktionswesten

Funktionsweste mit Vorderseite & Rückseite Führungskraft, Fachkraft, Sonderfunktion und dazugehörige Erläuterung
Weste: Einsatzleiter vorne Weste: Einsatzleiter hinten

gelbe Funktionsweste mit schwarzer Aufschrift "Einsatzleiter"

Einsatzleiter

Mit dieser Funktionsweste ist der Gesamt-Einsatzleiter (der Feuerwehr) bekleidet, der die feuerwehrtechnischen und feuerwehrtaktischen Entscheidungen und Maßnahmen trifft, die zur Erreichung des Einsatzzieles notwendig sind. Die Maßnahmen werden in Form von Befehlen an unterstellte Feuerwehreinsatzkräfte, bei großen Einsätzen z.B. an Abschnittsleiter oder Zugführer, weitergegeben.
Ein (1) Einsatzleiter muss an jeder Einsatzstelle vorhanden sein. Bei kleineren Einsätzen wird die Funktion des Einsatzleiters direkt von einem Gruppenführer wahrgenommen.
Weste: Abschnittsleiter vorne Weste: Abschnittsleiter hinten

weiße Funktionsweste mit schwarzer Aufschrift "Abschnittsleiter"

Abschnittsleiter

Bei großen Einsätzen wird die Einsatzstelle in Abschnitte unterteilt, deren Führung den Abschnittsleitern unterliegt. Die Abschnittsleiter erhalten ihre Befehle zur Erreichung des Gesamteinsatzzieles vom Gesamt-Einsatzleiter (s.o.).
Abschnittsleiter werden an Einsatzstellen nur bei Bedarf eingesetzt. Gegebenenfalls wird die Führungsebene der Abschnittsleiter übergangen und nach dem Einsatzleiter direkt Zugführer (s.u.) eingesetzt.
Weste: Zugführer vorne Weste: Zugführer hinten

rote Funktionsweste mit schwarzer Aufschrift "Zugführer"

Zugführer

Der Gesamt-Einsatzleiter kann seine Befehle direkt oder über Abschnittsleiter an Zugführer weiter geben.
Die Zugführer geben ihre Befehle an Gruppenführer weiter, welche die zugewiesenen Aufträge mit den Feuerwehreinsatzkräften ihrer Gruppe ausführen.
Zugführer werden an Einsatzstellen nur bei Bedarf eingesetzt.
Weste: Fachberater vorne Weste: Fachberater hinten

blaue Funktionsweste mit schwarzer Aufschrift "Fachberater (mit dem jeweiligem Fachgebiet)

Fachberater

Für gewisse Einsätze ist es erforderlich, spezielle Fachkräfte oder Behörden (*s.u.) als Fachberater des Einsatzleiters hinzu zu ziehen. Dies können z.B. bei Gefahrguteinsätzen mit Chemikalien oder radioaktiven Stoffen Chemiker oder Physiker sein, in medizinischen Notlagen Mediziner oder Fachkräfte des Gesundheitsamtes oder auch Betriebsleiter, welche die technischen Anlagen des Unfallbetriebes im Detail kennen.
Weste: Fachberater Presse vorne Weste: Fachberater Presse hinten

grüne Funktionsweste mit schwarzer Aufschrift "Presse"

Fachberater "Presse"

Zur koordinierten sowie fachlich und sachlich korrekten Information der Presse und damit der öffentlichkeit wird ein Pressesprecher eingesetzt, der durch die Funktionsweste von den Vertretern der Medien schnell erkannt und angesprochen werden kann. Der Pressesprecher ist eine geschulte Führungskraft, die über alle Vorgänge bezüglich des Einsatzes umfassend informiert ist und die nötigen Informationen koordiniert und weiterleitet, auch im Rahmen von Pressekonferenzen, sowie Fragen der Medien und öffentlichkeit beantwortet.
Ein Pressesprecher wird nur an Einsatzstellen eingesetzt, an denen ein erhöhter Informationsbedarf für die öffentlichkeit besteht.
Weste: Fachberater Notfallseelsorge vorne Weste: Fachberater Notfallseelsorge hinten

violette Funktionsweste mit schwarzer Aufschrift "Notfallseelsorger" oder "Krisenintervention"

Fachberater "Notfallseelsorge"

Notfallseelsorger sind speziell geschulte, meist feuerwehrexterne, Fachberater, welchen Angehörigen von Unfallopfers oder auch den Feuerwehreinsatzkräften selbst zur Bewältigung von traumatischen Ereignissen zur Seite stehen.
Notfallseelsorger werden nur eingesetzt, wenn es die Einsatzsituation oder die Einsatznachsorge erfordert.
Weste: Atemschutzüberwachung vorne Weste: Atemschutzüberwachung hinten

schwarz-weiß karierte Funktionsweste

Atemschutzüberwachung

Da der Atemschutz zu den wichtigsten Sonderfunktionen der Feuerwehr zählt und nahezu alle Brandeinsätze unter Atemschutz durchgeführt werden, ist die überwachung der Atemschutzgeräteträger eine der wichtigsten Aufgaben, die der Sicherheit der eingesetzten Feuerwehreinsatzkräfte unter Atemschutz dient. Formal ist jeder Atemschutzgeräteträger selbst aber auch jede vorgesetzte Führungskraft für die Sicherheit der ihm unterstellten Atemschutzgeräteträger verantwortlich. Die überwachung der wichtigen Parameter wie z.B. Name, Einsatzzeit, Flaschendruck (Luftvorrat) erfolgt mit technischen Mitteln, so genannten Atemschutzüberwachungstafeln, auf welchen die Parameter schriftlich notiert werden. Nach gewissen Einsatzzeiten piepen die Tafeln wie ein Wecker und erinnern so an wichtige Druckkontrollen.
Die Feuerwehreinsatzkraft, welche mit der Atemschutzüberwachung beauftragt wurde, trägt die beschriebene Funktionsweste.

Kennzeichnung der Sonderfunktion "Atemschutzgeräteträger" durch rote Punkte am Feuerwehrschutzhelm

Feuerwehrschutzhelm Sonderfunktion und dazugehörige Erläuterung
Helm mit einem roten Punkt

Feuerwehrschutzhelm mit einem roten Punkt auf beiden Seiten

Atemschutzgeräteträger

Eine Sonderfunktion, die eine Feuerwehreinsatzkraft durch ein gesundheitliches Attest und durch die entsprechende Ausbildung dazu befähigt, einen Pressluftatmer mit Atemschutzmaske zu tragen. Pressluftatmer sind eine der wichtigsten Gerätschaften der Feuerwehren, da bei jedem Brand giftige Rauchgase entstehen.

Der Feuerwehrschutzhelm ist aus Sicherheitsgründen mit einer reflektierenden Oberfläche versehen. Zusätzlich liegt um den gesamten Helm ein weißer Reflexionsstreifen, um gerade bei Nachteinsätzen gute Sichtbarkeit der Feuerwehrleute zu gewährleisten.

Neben der Funktion des Atemschutzgeräteträgers gibt es noch weitere Sonderfunktionen, die für die Feuerwehrarbeit unentbehrlich sind, aber nicht am Feuerwehrschutzhelm gekennzeichnet werden. Hierzu zählen unter anderem die Ausbildung zum Maschinisten und Funker oder die Schulung zum Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gütern. Die verschiedenen Lehrgänge werden im eigenen Landkreis und an Landesfeuerwehrschulen durchgeführt. Die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule des Bundeslandes Thüringen befindet sich im Ortsteil Pohlitz der Stadt Bad Köstritz.
* Die fachliche Beratung (Fachberater s.o.) wird nach "FwDV 500 - Einheiten im ABC-Einsatz" bei Einsätzen, in denen gefährliche Stoffe und Güter der Gefahrengruppe III beteiligt sind, vorgeschrieben. Die Liste der möglichen Fachberater ist sehr umfangreich. Folgende Aufzählung gibt einen Eindruck:
Weitere Details zur Funktionswestenkennzeichnung können Sie der Thüringer Feuerwehr-Organisationsverordnung entnehmen. Diese ist unter anderem auf der Homepage der Thüringer Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule einsehbar.


Bilder: Erstellung der Bilder mit freundlicher Unterstützung durch Thomas Krech.
Die dargestellten Bilder unterliegen dem Copyright, welches durch den Hinweis "(c) www.feuerwehr-schwallungen.de" in den Bildern ausgedrückt wird. Der Vermerk soll nicht bedeuten, dass die Feuerwehr Schwallungen ein eigenes Funktionswestendesign entwickelt hat.
Quelle: Thüringer Feuerwehr-Organisationsverordnung (ThürFwOrgVO) vom 27. Januar 2009

Text: Tobias Erb

Stand: 15.06.2011