Feuerwehr Schwallungen online

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Hochwasservorwarnsystem der Gemeinde Schwallungen

Allgemeines:

Nach dem katastrophalen Hochwasser im Sommer 2002 in vielen Teilen Deutschlands hat die Feuerwehr Schwallungen ein Vorwarnsystem für Hochwasser aufgebaut, welches es den Einsatzkräften und der Bevölkerung ermöglichen soll, sich auf eine anbahnende Hochwasserwelle entlang der "Werra" einzustellen.
Mit Hilfe von automatischen Pegelmessern, welche an den Hauptflüssen in Thüringen angebracht sind und elektronischer Datenauswertung werden die Führungskräfte der Schwallunger Wehr mit Hilfe von E-Mails und SMS über akute Pegelstände informiert - und das natürlich auch nachts. Anhand dieser Daten können nun geeignete Maßnahmen der Gefahrenabwehr eingeleitet werden.
Die folgende Karte zeigt die für die Ortschaft Schwallungen relevanten Pegelmessorte, welche in der Vorwarnung Berücksichtigung finden.
Pegelmesskarte

Die Karte zeigt die für die Ortschaft Schwallungen relevanten Pegelmessorte.

Eine Email-Alarmierung wird prinzipiell bei Erreichen eines gewissen Hochwasser-Meldebeginn-Pegels ausgelöst. Die Meldebeginn-Pegel sind natürlich in jeder der angegeben Ortschaften unterschiedlich. Mit diesen Daten kann man unterscheiden, ob es sich um ein lokales Niederschlagsereignis, z.B. in der Region Suhl handelt, welches nur den Pegel in "Ellingshausen" steigen lässt, oder ob ein großflächiges Regengebiet in ganz Süd-Thüringen niedergegangen ist. Im letzteren Fall würde natürlich das Hochwasser in Schwallungen stärker ausfallen.
Da Emails nicht "Rund um die Uhr" gelesen werden, wird zusätzlich bei Erreichen bestimmter Alarmstufepegel in Meiningen (siehe unten) eine SMS-Alarmierung ausgelöst. Dies soll vor allem auch nachts bei schnell steigenden Pegeln verhindern, dass die Einsatzkräfte und natürlich auch die Einwohner von einer Hochwasserwelle überrascht werden.
Mitglieder der Feuerwehr Schwallungen und der Gemeindeverwaltung können mit Hilfe eines Zugangspasswortes genau nachlesen, welche Alarmierungsmeldungen bei Erreichen bestimmer Pegel ausgelöst werden.

Pegelstände in Meiningen (wichtigster Messpegel für Schwallungen):

Da Schwallungen keinen eigenen Pegelmesser besitzt, wurden zur Datenauswertung unter anderem Hochwasserstände in Meiningen mit der "Schwere des Hochwassers" in Schwallungen verglichen. Dabei wurde z.B. eines der höchsten protokollierten Hochwasser in der Geschichte, am 24.12.1967 herangezogen, oder das nicht so weit zurückliegende am 14.01.2011.
Offizielle Alarmpegel für Meiningen
(mehrjährige mittlere Wasserstand: 117 cm)
Bezeichnung Wasserstand Erläuterung / Maßnahmen der Behörden (u.a.)
Meldebeginn
225 cm
Vorwarnstufe für ein sich anbahnendes Hochwasser
Alarmstufe 1
275 cm
Kontrolldienst an wasserwirtschaftlichen Anlagen, Brücken, Durchlässen und sonstigen Gefährdungspunkten
Alarmstufe 2
325 cm
ständiger Wachdienst an wasserwirtschaftlichen Anlagen und Kontrolldienst an Brücken, Durchlässen und sonstigen Gefährdungspunkten
Hochwasser am 03.01.2003 mit max. Wasserstand 354 cm in Meiningen
Hochwasser am 13.04.1994 mit max. Wasserstand 359 cm in Meiningen
Alarmstufe 3
375 cm
Hochwasserabwehr
Hochwasser am 24.12.1967 mit max. Wasserstand 380 cm in Meiningen
Hochwasser am 14.01.2011 mit max. Wasserstand 383 cm in Meiningen
(Einsatzbericht Hochwasser 14.01.2011)
Beim Hochwasser am 24.12.1967 betrug der Wasserstand in Meiningen 402 cm bei einem Durchfluss von 236 m3 pro Sekunde. Durch Flutmuldenbau oberhalb von Meiningen würde der Pegel heutzutage bei gleicher Niederschlagsmenge aber geringer ausfallen. Das bedeutet, dass die 402 cm, auf die heutige Zeit umgerechnet, einem Pegel in Meiningen von 380 cm entsprechen (s.o.). Die oben angegebenen Alarmstufe-Pegel sind diesen Verhältnissen angepasst.
Würden also heute tatsächlich 402 cm gemessen werden, würde das Hochwasser wesentlich schlimmer ausfallen als damals und es würden nach Berechnungen ca. 300 m3 pro Sekunde durch Meiningen und damit nach aller Voraussicht auch durch Schwallungen fließen.

Januar 2011 - Stärkstes Hochwasser seit Jahrzehnten

Am 14.01.2011 fand das über Jahrzehnte zurück stärkste Hochwasser in Schwallungen mit einem Referenzpegel in Meiningen von 383 cm statt. Umfangreiche Maßnahmen der Gefahrenabwehr waren durch die Feuerwehr umzusetzen (Einsatzbericht der Feuerwehr). Subjektiv empfinden ältere Schwallunger Einwohner das Hochwasser vom 24.12.1967 als höher ausgefallen, als das vom 14.01.2011, da damals das Werrawasser über die "Bahnhofsstraße" gelaufen ist. Das dies im Jahr 2011 nicht so geschehen ist, trotz eines höheren Pegels in Meiningen, ist nach Ansicht des Autors dieses Artikels auf das Ausbackern des Werraflusslaufes oberhalb der Werrabrücke und insbesondere unter der kompletten Werrabrücke zurückzuführen. Hierdurch konnten die Wassermassen schneller unter der Brücke abfliesen und stauten sich nicht oberhalb der Brücke und an der begrenzenden Linie der erhöhten Bahnhofstraße auf.

Beim Hochwasser am 03.01.2003 lag der Pegel in Meiningen bei 354 cm bei einem Durchfluss von 186 m3 pro Sekunde. Am 13.04.1994 lag der Pegel in Meiningen bei 359 cm bei einem Durchfluss von 195 m3 pro Sekunde.

Nach Angaben der zuständigen Behörden ist mit einer Laufzeit einer Hochwasserwelle von Meiningen nach Schwallungen von ca. 2,5-3,0 Stunden zu rechnen.

Pegelstände online:

Einen online-Situationsbericht über die Hochwasserlage in Thüringen finden Sie unter diesen der Links.
Bei den Mitarbeitern der TLUG und des Staatlichen Umweltamtes Suhl sowie bei unserem Provider Krech EDV bedanken wir uns recht herzlich für die freundliche und kompetene Unterstützung.

Schlussbemerkungen:

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass dieses System nicht vor extremen Starkregen schützt, welcher z.B. im Tal der "Körnebach" niedergehen kann und dort eine Sturzflut auslösen würde.
Selbstverständlich können auch Flutwellen auf der Werra nicht "aufgehalten werden". Das Vorwarnsystem soll helfen im Ernstfall die Schäden so klein wie nur möglich zu halten.

Sollte es im Bereich des Einzuggebietes der Werra zu ähnlichen Niederschlagsmengen kommen, wie im Sommer 2002 im Erzgebirge, ist mit den selben katastrophalen Auswirkungen zu rechnen, wie z.B. in Sachsen.
Quellen: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, Jena
Staatliches Umweltamt Suhl

Text: Tobias Erb

Stand: 13.05.2011