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Brandrauch - ein heimtückisches Kampfgas und warum Rauchmelder Leben retten
Im Oktober des Jahres 2000 wurde die bundesweite herstellerneutrale Aktion
"Rauchmelder retten Leben" gestartet. Auch die Feuerwehr Schwallungen unterstützt diese Aktion.
Die Zeitschrift "P.M." schrieb in ihrer Ausgabe vom August 2001:
Die meisten Opfer bei einem Brand sterben nicht an den Flammen. Es ist der
Rauch, der sie umbringt. Die neuen Baumaterialien machen ihn immer giftiger.
Er ist inzwischen so gefährlich wie ein Kampfgas für den Kriegseinsatz.
Gleich zu Beginn: Die gefährlichsten Mythen, um sich KEINEN Rauchmelder anzuschaffen:
-
"Wenn es brennt, habe ich mehr als 10 Minuten Zeit die Wohnung zu verlassen."
Falsch! Sie haben im Durchschnitt nur 4 Minuten zur Flucht. Eine
Rauchvergiftung kann bereits nach 2 Minuten tödlich sein.
-
"Meine Nachbarn oder meine Haustiere werden mich rechtzeitig alarmieren."
Falsch! In 2 Minuten ist das nicht möglich. Besonders nachts, wenn
Ihre Nachbarn schlafen und die Haustiere nicht in Ihrem Schlafzimmer sind.
-
"Wer aufpasst, ist vor Brandgefahr sicher."
Falsch! Häufig sind elektrische Defekte Brandursache. Auch Brände bei
den Nachbarn oder auch Brandstiftung treffen Sie unverschuldet.
-
"Steinhäuser brennen nicht."
Falsch! Das Mauerwerk vielleicht nicht, aber alles andere. Und wie weiter unten
beschrieben erzeugen Kunststoffe, wie z.B. Ihre Sessel, den giftigen Qualm.
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"Rauchmelder sind zu teuer."
Falsch! Sie sind das beste Mittel zur Vorbeugung in Privathaushalten. Sie sollten sich fragen,
wieviel Ihnen Ihr Leben wert ist!
Zahlen und Fakten zur Brandgefahr in Deutschland:
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Bei 200.000 Bränden pro Jahr werden etwa:
- 600 Menschen getötet
- 6.000 Menschen schwer verletzt
- 60.000 Menschen leicht verletzt
-
75% aller Brandtoten verlieren durch eine Rauchvergiftung, nicht durch das Feuer, ihr Leben.
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80% aller Brandtoten kommen in den eigenen vier Wänden ums Leben, nicht am Arbeitsplatz.
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2/3 aller Brandopfer werden nachts im Schlaf überrascht.
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Gegen Sachschäden (über 1 Milliarde Euro im Privatbereich pro Jahr) können Sie sich versichern.
Schützen Sie Ihr Leben mit einem Rauchmelder!
Rauchvergiftung - Warum ist der Brandrauch so gefährlich?:
Während man dem sichtbaren und in der Anfangsphase lokal begrenzten Feuer
normalerweise entrinnen kann, überfällt der lautlosere Rauch seine Opfer
blitzschnell und lässt ihnen kaum eine Chance.
In den letzten 20 Jahren vervierfachte sich die Zahl der tödlichen
Rauchvergiftungen, denn die Brände werden immer rauchintensiver.
Dies liegt an dem Einsatz von Kunststoffen, welche vielfach in Gebäuden
verwendet werden.
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Ein brennendes Kunststofftelefon kann ein Einfamilienhaus binnen kürzester
Zeit komplett verqualmen.
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Eine 10 kg schwere Schaumgummimatratze, z.B. aus einem Kinderbett, erzeugt
25.000 m³ (etwa 30 Einfamilienhäuser) Rauch.
Während früher der Rauch hauptsächlich aus Rußpartikeln, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid
bestand, sind diese giftigen Substanzen heute nur noch die "Grundausstattung". Stoffe wie Polypropylen (PP),
Polyethylen (PE), Polyvinylchlorid (PVC), woraus viele Haushaltsartikel, Verpackungen usw. hergestellt werden,
erzeugen beim Verbrennen hoch giftige Gase.
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Inzwischen kennt man 5000 giftige Substanzen, die der Brandrauch enthalten kann. Z.B.
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Aceton, Acetaldehyd und Äther wirken betäubend und verursachen Übelkeit
und Erbrechen.
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Formaldehyd reizt die Augen und erschwert die Atmung.
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Crotonaldehyd führt zum Glottisödem, bei dem der Kehlkopf blitzartig
anschwillt. In den meisten Fällen hilft hier nur noch ein sofortiger
Kehlkopfschnitt um den Erstickungstod zu verhindern.
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Bei Bränden von PVC-Fußböden kann Phosgen entstehen, einer der
schlimmsten Kampfstoffe, den die Menschheit je entwickelt hat. Dieser
zerstört die Schleimhaut der Lunge, wodurch sich die Lunge mit
Lympfflüssigkeit füllt. Das Opfer ertrinkt an seiner eigenen
Körperflüssigkeit.
Daher ist das Wort "Kampfstoff" in der Überschrift nicht übertrieben. Viele Kunststoffe,
Farben usw. werden auf Chlorbasis hergestellt. Bei Bränden wird leicht Chlor,
welches an sich ein Reizgas ist, freigesetzt und kann neue Verbindungen
eingehen, z.B.
-
Senfgas, Chlorzyan
-
Chlorwasserstoff (ergibt zusammen mit Wasser die ätzende Salzsäure.)
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Tränengase CN und CS
Eine weitere Gefahr stellt das viel verwendete Polystyrol dar. Unvollständig verbrannt setzt
Polystyrol das Gas Styrol frei. Dieser Stoff greift das zentrale Nervensystem an.
Fazit: Bereits das Einatmen nur einer Lungenfüllung Brandrauch kann tödlich sein!
So funktioniert ein optischer Rauchmelder
Normalzustand
Die Sensoren eines Rauchmelders arbeiten nach dem
optischen Prinzip, d.h. in der Messkammer des Gerätes
werden regelmäßig Lichtstrahlen ausgesendet, die im
Normalzustand nicht auf die Fotolinse treffen.
Raucheintritt - Alarm!
Ein Rauchmelder kann Sie und Ihre Familie vor dem Schlimmsten schützen! Er
warnt rechtzeitig durch einen lauten Ton, auch wenn Sie schlafen! Hierdurch
erhalten Sie den nötigen Vorsprung, um Ihre Familie und sich selbst in Sicherheit zu bringen und um anschließend
den Feuerwehrnotruf 112 (
europaweit) zu wählen!
Noch nicht überzeugt? - Hier weitere Argumente:
Die folgende Tabelle zeigt für vier Länder die Anzahl der Haushalte mit Rauchmeldern und deren positiven Einfluss auf
die Verringerung der Brandtoten.
| Land |
Anzahl der Haushalte mit Rauchmeldern |
Verringerung der Brandtoten |
| USA |
90 % |
40 % |
| Großbritanien |
75 % |
40 % |
| Schweden |
70 % |
50 % |
| Deutschland |
nur 7 % (!) |
600 Tote jährlich plus sehr viele Verletzte (Rauchgasvergiftung) |
In Sachen Rauchmelder ist Deutschland ein Entwicklungsland. Wenn Sie helfen wollen, dies zu ändern, ist jetzt der
richtige Zeitpunkt.
Nun noch ein Hinweis der Insider - Ihrer Feuerwehr:
Sie werden keinen einzigen Feuerwehrmann finden, der ohne entsprechende Ausbildung und Ausrüstung
in ein brennendes Haus zur Menschenrettung oder zum Brandlöschen vorrückt. Diese so genannten Atemschutzgeräteträger
müssen nach strengen Auflagen von Gesetzen und Feuerwehrdienstvorschriften einen mehrwöchigen Lehrgang erfolgreich
abschließen, sich in regelmäßigen Intervallen einer ärztlichen Tauglichkeitsüberprüfung unterziehen und
mindestens 2 mal im Jahr eine Übung unter Atemschutzgeräten durchführen. Diese
Übungen stellen an den
Atemschutzgeräteträger höchste körperliche und geistige Anforderungen. Auch die verwendeten Atemschutzgeräte
müssen stets von speziellen Sachverständigen überprüft und gewartet werden.
Alles dies zeigt, dass das Thema Atemschutz eines der wichtigsten im heutigen Feuerwehrwesen ist. Jede Einsatzkraft
hat die Gefährlichkeit des Brandrauches verinnerlicht. Sie sollten das selbe tun!
Irrtümer im Vorfeld und falsches Verhalten im Brandfall können Leben kosten:
Die Vorstellung die Wohnung bei einem Brand noch rechtzeitig verlassen zu können, ist in den überwiegenden Fällen falsch,
denn:
-
Bei einem Wohnungsbrand ist alles dunkel, denn der Rauch versperrt komplett
die Sicht. Menschen verlieren in ihrer eigenen Wohnung die Orientierung und geraten in Panik.
Viele Menschen und besonders Kinder, welche die Gefahrensituation nicht einordnen können, reagieren falsch, wenn sie vom Rauch überrascht werden.
-
Völlig falsch ist, sich in Schränken oder unter dem Bett vor dem Rauch zu verstecken.
-
Völlig falsch ist, Türen zu Brandräumen zu öffnen, da hierdurch zum einen
der Rauch sofort hereinkommt, und zum zweiten der Rauch durch die
Sauerstoffzufuhr sofort explodieren kann.
Weitere Information, u.a. zur Installation und zum Kauf:
Man könnte diesen Artikel noch mit vielen weiteren Argumenten für die Rauchmelder ausbauen. Jedem sollte jedoch an
dieser Stelle die Gefährlichkeit des Phänomens Brandrauch klar geworden sein und auch warum Rauchmelder im Ernstfall
das Leben Ihrer Familie und auch Ihr eigenes retten können. Helfen Sie daher jetzt aktiv mit,
die Brandtoten in Deutschland zu verringern!
Weitere Infos, z.B. worauf Sie beim Kauf achten sollten und Hinweise zur richtigen Montage finden
Sie im Internet auf der Homepage dieser Kampagne:
... aber auch bei Ihrer örtlichen Feuerwehr.
Für die Einwohner der Einheitsgemeinde Schwallungen:
Die Feuerwehr Schwallungen hilft Ihnen bei Fragen oder Problemen weiter. Gerne geben wir Ihnen Infomaterial,
welches die Problematik nochmals erläutert und Ihnen Tipps für den Kauf und Hinweise zur Installation
von Rauchmeldern gibt. Kommen Sie auf uns zu!
Abschlussbemerkung:
Die Feuerwehr Schwallungen hofft, Ihnen mit diesem Artikel die vielfach unterschätzte
Gefährlichkeit des Brandrauches erläutert zu haben. Sollten Sie sich nach dem
Lesen dafür entscheiden, Ihre Wohnung mit Rauchmeldern abzusichern, haben wir unser
Anliegen erreicht. Denn wir als Feuerwehr haben nicht nur die Bekämpfung von bereits
vorhandenen Gefahrensituationen zur Aufgabe, sondern besonders auch die vorbeugenden Maßnahmen,
wie zum Beispiel den vorbeugenden Brandschutz.
Text: Tobias Erb
Stand: 12.05.2011