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Berufsfeuerwehrwochenende der Jugendfeuerwehr
Einsätze, Stress, Lagerfeuer, Schweiß, Müdigkeit, Kameradschaft
Als die Jugendfeuerwehr Schwallungen im Rahmen Ihres
Thüringen-Ausflugs auch die Berufsfeuerwehr (BF)
in Erfurt besuchte, kam Jugendfeuerwehrwart Tobias Erb eine Idee. All das, was eine richtige BF ausmacht,
könnte man doch für die Jugendlichen an einem ganzen Wochenende im Gerätehaus nachstellen. Da es in diesem
Jahr aus organisatorischen Gründen kein Kreisjugendfeuerwehrzeltlager gab, bot sich die Gelegenheit,
auf diesem Wege mal ein anderes "Zeltlager" durchzuführen.
Obwohl die zeitlichen Reserven aller Feuerwehrkameraden und so auch der Jugendgruppenleiter durch die umfangreichen
Putzarbeiten am Gerätehaus
seit Monaten stark eingeschränkt sind, haben sich alle dafür ausgesprochen, dass die Jugendarbeit darunter
nicht leiden darf. So begann am Freitag, dem 09.09.2005, um 16.00 Uhr das BF-Wochenende der
Jugendfeuerwehr Schwallungen.
Zunächst wurden die taktischen Einheiten festgelegt, schließlich sollten ja auch Einsätze gefahren
werden. Es wurde eine Gruppe (9 Personen) mit den 15- bis 18-Jährigen und eine Staffel (6 Personen)
mit den 10- bis 14-Jährigen aufgestellt.
Als Gruppenführer wurde David Göpel, als Staffelführer Julian Eichhorn eingeteilt.
Als Maschinisten für unsere beiden Fahrzeuge
(LF 16/12 und LF 8 - TS 8 - STA) standen die Jugendgruppenleiter Heiko Göpel und Frank Gramann bereit. Jugendwart
Tobias Erb übernahm die Gesamtleitung aller Einsätze als Zugführer des Löschzugs "Jugendfeuerwehr Schwallungen".
Bei einem Alarm wurden über an einem Computer angeschlossene Lautsprecher verschiedene Alarmsignalfolgen
abgespielt. Je nachdem, ob die Gruppe, die Staffel oder der gesamte Löschzug zum Einsatz gerufen wurde, gab es
unterschiedliche Tonfolgen. Beim Zug-Alarm war das obligatorische Aufheulen der Sirene selbstverständlich.
Nach dem Einteilen der Gruppe und Staffel, wurden die Luftmatrazen und Schlafsäcke entsprechend
der taktischen Einheit im Schulungsraum aufgebaut.
Neben den Einsätzen warteten aber auch andere Aufgaben auf die Jugendfeuerwehrmitglieder. Wie bei einer BF auch,
galt es die Mahlzeiten selber zuzubereiten. Unter der fachlichen Aufsicht der beiden Gruppenleiter Frank Gramann
und Heiko Göpel, war der ein oder andere mit dem Kochen und Braten beschäftigt. Beide Gruppenleiter
verstehen es seit Jahren sehr gut, große Mengen deftiger Speisen zu zaubern. So gab es die bekannten Brätel und Bratwürste,
aber auch Hähnchenschenkel mit Pommes und in unserem fahrbaren Backofen
"BraBaLa" selbstgebackene Pizza.
Obwohl die Meute großen Hunger hatte, schaffte sie es nicht, die 14 Kuchenbleche Pizza zu verspeisen.
V.l. Roberto Kassel und Lars Baumbach erhalten von Heiko Göpel Anleitung beim Bratwurstbraten.
Eine der 14 Pizzen, die Heiko Göpel (im Bild) und Frank Gramann in der BraBaLa zubereitet haben.
Gemeinsames Abendbrot hinter dem Gerätehaus
Neben dem Zubereiten der Mahlzeiten, galt es für die Jugendlichen auch für Ordnung und Sauberkeit in
der Unterkunft zu sorgen.
Der morgendliche Frühsport, welcher bei dem einen oder anderen kleine Defizite in der Fitness zeigte, stand ebenso auf
dem Programm, wie eine Fahrt nach Schmalkalden. Hier fand eine Großübung der Feuerwehren aller Ortsteile der Stadt
Schmalkalden am Altmarkt statt. Geboten wurde den Zuschauern u.a. die Menschenrettung über die Drehleiter
(DLK 23/12), der Aufbau einer umfangreichen Wasserversorgung sowie das Sammeln und Verarzten von Verletzten
im Verletztensammelzelt. Der Ausflug nach Schmalkalden war daher ideal geeignet, um Feuerwehrpraxis hautnah zu erleben.
Zur Unterstützung der Feuerwehrkameraden, die seit einigen Monaten das
Gerätehaus verputzen,
halfen einige Jugendliche beim Streichen des aufgebrachten Putzes. Die jüngeren Mitglieder
engagierten sich derweil als Bastler. Die Buchstaben für den Schriftzug "FEUERWEHR SCHWALLUNGEN",
der an die Frontseite des Gerätehauses angebracht werden soll, wurden aus A3-Druckvorlagen ausgeschnitten.
Anschließend konnten hieraus Pappbuchstaben erstellt werden.
V.l. Ben Bodenstein und Konrad König schneiden Buchstaben aus.
V.l. Roberto Kassel und Julian Eichhorn erstellen Pappbuchstaben.
In den Abendstunden traf man sich in gemütlicher Runde an einem Lagerfeuer hinter dem Gerätehaus. Die ausgelassene
Stimmung wurde ab und an von dem Ertönen der Alarmsignale unterbrochen. Die alarmierten Jugendlichen eilten zu ihrem
Schlafplatz, um ihre Uniform (festes Schuhwerk, Jacke, Hose, Helm, Handschuhe, Koppel) anzulegen. Anschließend
wurden die Fahrzeuge besetzt und der Löschzug rückte Richtung Einsatzort aus. Der Zugführer gab die Art des Einsatzes
sowie erste Einsatzbefehle an den Gruppen- bzw. Staffelführer über Handfunksprechgeräte weiter. Vor Ort wurde entsprechend
der Situation gehandelt. Die Einsätze wurden so gestaltet, dass das unterschiedliche Alter der Jugendlichen
(Gruppe/Staffel) Berücksichtigung fand und auch stets die Unfallverhütungsvorschriften eingehalten wurden.
Gemütliche Atmosphäre am Lagerfeuer, gepaart mit etwas Müdigkeit.
Zur Vorbereitung der Einsätze hatte der Jugendfeuerwehrwart Unterstützung von zwei Betreuern, ehemals auch Mitglieder
der Jugendfeuerwehr Schwallungen. David Gramann und Rene Stumpf fuhren voraus und bereiteten den Einsatzort vor. Ihre
Aufgabe war es beispielsweise eine Puppe zu platzieren, welche dann gefunden werden sollte, oder eine ölspur mit Wasser
zu simulieren.
| Folgende übungs-Einsätze wurden gefahren |
| Nr. |
Uhrzeit |
taktische Einheit(en) |
Fahrzeug(e) |
Art des Einsatz |
| 1 |
Fr., 20.30h |
Zug |
ELW (Privat PKW JFW), LF 16/12, LF 8 |
Fehlalarmierung Brandmeldeanlage Drei-Felder-Halle:
Es wurde Alarm in der Brandmeldeanlage in der Sporthalle ausgelöst (mit Leitstelle abgesprochen),
der sich schnell als Fehlalarm herausstellte. Das Auffinden des auslösenden Melders
mit Hilfe der Anzeigen an der Brandmeldeanlage wurde trainiert.
|
| 2 |
Fr., 23.00h |
Gruppe |
ELW (Privat PKW JFW), LF 16/12 |
ölspur im Gewerbegebiet:
Eine ölspur (Wasser) musste mit Bindemitteln (Sägespänen) aufgenommen werden.
Zunächst galt es die Einsatzstelle abzusichern (Blitzer, Kegel, Warndreieck) sowie den Lichtmast
der LF 16/12 für die Beleuchtung der Einsatzstelle aufzubauen und das Notstromaggregat in Betrieb zu nehmen.
Als erschwerend kam beim Ausrüsten mit der Schutzbekleidung im Gerätehaus hinzu,
dass ein Blitz die Stromversorgung des Ortes lahmgelegt hat, und damit das Gerätehaus vollständig
im Dunkeln stand. (Hauptsicherung des Gerätehauses auf AUS.) Es galt also zunächst Handlampen aufzustellen, so dass ein Umziehen möglich war
und auch das Fahrzeug sicher besetzt werden konnte.
ölspur im Gewerbegebiet. Wir bitten die Bildqualität zu entschuldigen.
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| 3 |
Sa., 01.00h |
Staffel |
LF 8 |
Suchen einer vermissten Person auf dem Möckerser Berg:
Nachdem ein Pilzwanderer nicht nach Hause zurückgekehrt ist, wurde
die Staffel zum höchsten Punkt des Möckerser Berg mit dem LF 8 gebracht
und dort mit einer Krankentrage abgesetzt. Von hier aus galt es in der Dunkelheit den
Weg zurück nach Schwallungen zu laufen. Die vermisste Person (Puppe)
wurde in Höhe des Rosenknospenweges gefunden und mit der Krankentrage zum
Gerätehaus gebracht.
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| 4 |
Sa., 16.30h |
Staffel |
LF 8 |
Suchen einer vermissten Person entlang der Werra, oberhalb Wehr:
Der Werraabschnitt oberhalb des Wehres wurde mit einem Schlauchboot nach
einer vermissten Person abgesucht. Die Person (Puppe) wurde kurz vor
dem Schwallunger Wehr gefunden und gerettet.
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| 5 |
Sa., 17.45h |
Gruppe |
LF 8 |
Feuer "Alarmstufe ROT" im alten LPG-Pumpenhäuschen, Menschenleben in Gefahr:
Nachdem sich Diesel im alten LPG-Pumpenhäuschen entzündet hat, mussten
zwei Personen (Betreuer Stumpf und Gramann) über ein Steckleiterteil aus dem
Gebäude gerettet werden. Der Angriffstrupp trug dabei Pressluftatmer, die aber
aus UVV-Gründen selbstverständlich nicht angeschlossen waren. (Masken wurden natürlich auch nicht getragen).
Während der Menschenrettung wurde die TS 8 des LF 8 an der Wasserentnahmestelle Werra
aufgebaut und ein Verteiler gesetzt. Zum Einsatz kamen zwei C-Strahlrohre.
Nachdem der Zugführer den Gruppenführer darüber informierte, dass im Gebäude Diesel brennt, wurde
ein Mittelschaumrohr aufgebaut, um die brennende Flüssigkeit zu ersticken.
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| 6 |
Sa., 20.15h |
Gruppe |
LF 16/12 |
Baumsperre auf einem Forstweg in der Körnebach:
Nach einem Sturm ist ein Baum umgestürzt. Die Gruppe baute zunächst den Lichtmast
des LF 16/12 auf und setzte das Notstromaggregat in Betrieb. Auch die Einsatzstelle
wurde abgesichert. Anschließend wurde die Baumsperre mit einer Bügelsäge beseitigt.
Baumsperre in der Körnebach.
Der Baum wird mit einer Bügelsäge zersägt.
Vielen Dank an Kai Frieß, der bei diesem Einsatz die Funktion des Maschinisten auf dem LF 16/12 übernommen hat.
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| 7 |
Sa., 23.30h |
Zug |
nur Gerät |
Katastrophenalarm in Deutschland - Absturz eines radioaktiven Elementes aus dem Antriebsreaktor der internationalen Raumstation (ISS):
Nach einem Unfall auf der ISS ist ein kleines radioaktives Antriebsteil Richtung Deutschland unterwegs und
wie es der Zufall will, direkt hinter dem Gerätehaus aufgekommen.
Mit angelegter Strahlenschutzausrüstung* galt es den Gefahrstoff zu suchen und in einen Transportbehälter
zu verstauen.
Anschließend wurden die zum Einsatz gekommenen Jugendlichen ordentlich von ihren
Mannschaftskameraden mit C-Strahlrohren dekontaminiert. ;-)
*...Anmerkung zur Strahlenschutzausrüstung:
Es gibt im Feuerwehrwesen keine spezielle Schutzkleidung die vor Radioaktivität schützt, da Gamma-Strahlung
jedes Material durchdringt. Jedoch kann man sich z.B. mit CSA (Chemikalienschutzanzug) vor der Kontamination
(Ablagerung von radioaktiven Stoffen auf der Haut) oder schlimmer noch der Inkorporation (Einatmen von radioaktiven
Stoffen in die Lunge, Verschlucken ins Magen-Darm-System, Aufnahme über Wunden in die Blutbahn) schützen.
Die Feuerwehr Schwallungen ist nicht in den Gefahrgutzug des Landkreises Schmalkalden-Meiningen eingebunden
und besitzt daher nicht solche spezielle Technik und Ausrüstung. Deshalb wurden die Schutzanzüge mit
herkömmlicher Hitzeschutzkleidung simuliert. Die Eigenschaften, dass man in diesen besonders stark schwitzt,
wenig sieht und nur sehr schwer feine Arbeiten mit den Händen durchführen kann, blieben jedoch erhalten.
Suchen der Strahlenquelle.
Sicherstellen der Strahlenquelle in einem Behältnis.
|
Die Tabelle gibt einen guten Eindruck darüber, dass das Wochenende durchaus stressig, anstrengend und schweißtreibend
für die Jugendfeuerwehrmitglieder war. Die Zielstellungen des Wochenendes:
- Fahrzeuge und Technik kennen lernen und beherrschen
- kameradschaftliches und ruhiges Handeln erlernen
- die eigenen Grenzen in Sachen Müdigkeit und körperlicher Belastung erfahren
- einen Eindruck über die unterschiedlichen Aufgaben der Feuerwehren gewinnen
wurden sicherlich erreicht. Dass hin und wieder Müdigkeit aufkam ist deshalb völlig normal. Aus diesem Grund
ist ein wenig Schlaf zwischendrin sinnvoll. Das halt nur bis zum nächsten Alarm,
wie dies bei einer richtigen BF oder auch bei einer FF (Freiwilligen Feuerwehr), die nachts um 5 Uhr zu einem
Verkehrsunfall gerufen wird, eben auch der Fall ist.
Ein kleines Mittagsschläfchen ist natürlich erlaubt...
Trotzdem blieb bei allen am Ende des Wochenendes (Sonntag, 10.00 Uhr)
der Eindruck, dass es viel Spaß gemacht hat und dass es ein "Zitat: Spitzenwochenende" war.
Selbstverständlich ging das Wochenende auch nicht völlig spurlos an den Betreuern, Gruppenleiter und am
Jugendfeuerwehrwart vorbei. Schließlich bereiteten sie die Einsätze vor, rückten dann mit aus und
organisierten nebenbei das häusliche Leben und die Mahlzeiten im Gerätehaus.
Deshalb bedanke ich mich als Jugendfeuerwehrwart herzlich bei meinen langjährigen Jugendgruppenleitern
Heiko Göpel und
Frank Gramann, die sich ausgezeichnet um die Speisen und Getränke gekümmert
haben und viel zum reibungslosen Ablauf beigetragen haben. Auch
Frank und Franziska Pfannstiel
sei für das Herrichten
des Frühstücks am Sonntagmorgen herzlich gedankt.
Ein großer Dank geht auch an meine ehemaligen Jugendfeuerwehrmitglieder und jetzige Kameraden der Einsatzabteilung
David Gramann und
Rene Stumpf, die mir bei der Vorbereitung der Einsätze geholfen haben und mir
das ganze Wochenende als tüchtige Bändiger der Meute zur Seite standen.
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Hinweis:
Leider können wir nicht mehr Bilder von den Einsätzen zeigen, da das Fotografieren der
Einsatzschutzbekleidung auf Grund der Reflektoren (Katzenaugen) mit einem herkömmlichen
Fotoapparat gar nicht oder nur sehr schwer möglich ist. Wir bitten um Verständnis.
Text: Tobias Erb
Stand: 15.06.2011