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Leistungsüberprüfung der Atemschutzgeräteträger in Immelborn

Nach den strengen Auflagen der Feuerwehrdienstvorschrift 7 (Atemschutz) müssen sich alle Atemschutzgeräteträger (AGT) einmal im Jahr: Um erst einmal AGT werden zu können, muss ein mehrwöchiger Lehrgang erfolgreich absolviert werden. Des Weiteren sind in regelmäßigen Abständen arbeitmedizinische Untersuchungen (G 26/3) durchzuführen, bei welchem die Tauglichkeit für den Atemschutz immer wieder auf das neue festgestellt werden muss.

Mit diesen hohen Anforderungen tragen der Gesetzgeber und die zuständigen Brandschutzexperten der Tatsache Rechnung, dass der Atemschutz das wichtigste im heutigen Feuerwehrwesen ist. Denn der Brandrauch selber birgt die größte Gefahr.

Am Freitag, dem 19.03.2004 war es dann wieder soweit. Das was sein muss, aber nicht von jedem Kameraden mit großer Freude angegangen wird, stand bevor - die Atemschutzstrecke am Feuerwehrtechnischen Zentrum in Immelborn.
Mit diesem Artikel wollen wir Ihnen einen Eindruck über die hohen körperlichen und geistigen Anforderungen an die AGT vermitteln. Nach den statistischen Daten, verlieren pro Jahr in Deutschland zwei AGT auf einer solchen Übungstrecke durch die hohe Belastung ihr Leben. Und dies ist nur die Übung - nicht der Ernstfall...


Zu Beginn wird bei allen AGT durch einen Sanitäter der Blutdruck gemessen. Eine Befragung zum aktuellen Gesundheitszustand erfolgt ebenfalls.
Arzt

v.l. Rettungsassistentin Claudia Böhm, Philipp Heß

Nun legen immer 2 Kameraden (Dies ist ein Trupp, denn ein Feuerwehrmann geht nie alleine in eine Gefahrenzone vor.) ihre Einsatzuniformen an und setzen die Pressluftatmer auf. Diese umluftunabhängigen Geräte dürfen maximal 18 kg wiegen und stellen dem AGT ca. 1600 Liter Luft zur Verfügung.
Innerlich bereitet man sich nun mental auf die anstehende Übung vor.
Vorbereitung

v.l. Wehrführer Frank Rumpel, Philipp Heß

Die Pressluftatmer sind nun an der Atemschutzmaske angeschlossen. Der AGT muss ab jetzt immer tief ein- und ausatmen, auch wenn der Körper bei Belastung instinktiv kurze schnelle Atemzüge machen will. Dies ist aber grundlegend falsch, denn hierdurch würde immer das eigene Kohlendioxyd eingeatmet werden, wodurch man eine Vergiftung bekommt.

Die erste Aufgabe besteht darin, auf einer Endlosleiter eine Höhe von 30 Metern zu ersteigen. Die Sprossen bewegen sich dabei zügig. Würde ein Kamerad die Belastung nicht mehr schaffen und mit der Leiter nach unten fahren, stoppt eine Lichtschranke das System, so dass der Feuerwehrmann nicht verletzt wird.
Leiter
Hat man die Leiter geschafft geht der Trupp ohne Pause in ein "Labyrinth aus Draht". In einem Raum, der verdunkelt und stark vernebelt ist, muss der Trupp durch einen Gitterkäfig kriechen und dabei auch die Etagen wechseln. Als einzige Lichtquelle dient ein Handscheinwerfer der Feuerwehr, dessen Lichtschein durch den Nebel nur einen halben Meter weit reicht. Alle Gegenstände und die vielfach eingebauten Hindernisse müssen ertastet werden.
Käfig 1
Gegenseitige Hilfe ist unablässlich, da viele Hindernisse nicht alleine bewältigt werden können. Zum Beispiel muss eine lange Röhre durchquert werden, indem sich ein Kamerad in diese hineinlegt (er kann wegen der Enge seine Arme nicht mehr benutzen), und der 2. Kamerad ihn durch die Röhre durchschiebt. Dieser würde nun ebenfalls in die Röhre steigen und von dem ersten Kameraden, der bereits durch die Röhre durch ist, herausgezogen werden.
Käfig 2
Wurde der Weg durch den Käfig gefunden, beginnt der 2. Teil der Fitnessüberprüfung. Ohne Pause gehen die Kameraden auf ein Laufband und erbringen dort je nach Alter eine bestimmte Leistung:

18-35 Jahre:
300 Meter
5,0 km/h
12% Steigung
36-45 Jahre:
270 Meter
4,0 km/h
4,5% Steigung
ab 46 Jahren:
260 Meter
4,0 km/h
3,0% Steigung
Auch hier sind wieder Sicherungen eingebaut. Hält ein Kamerad die Belastung nicht durch und fällt zu weit auf dem Laufband zurück, wird dieses automatisch gestoppt.
Laufband
Der 3. Teil der Fitnessüberprüfung folgt ohne Pause nach dem Laufband. Ein 25 kg schwerer Gegenstand muss über eine feste Umlenkrolle 30 mal nach oben (2m) gezogen werden. Nur wenn bei jedem Zug der Gegenstand einmal bis unten und dann wieder bis oben war, zählt die Anlage diesen Versuch.
Hammer
Das Abschließen der Gewichtziehübung bedeutet das Ende des Fitnessteils, jedoch noch nicht das Ende der Atemschutzstrecke. Zum Schluss müssen die Kameraden in einem weiteren Raum mit einem Gitterkäfig den richtigen Weg finden. Dieser Käfig ist kleiner als der im ersten Durchgang, hierfür ist der Raum aber aufgeheizt. Es ist nicht ratsam das Drahtgitter des Käfigs ohne Handschuhe zu berühren, da diese eine nicht unerhebliche Temperatur aufweisen können.
Käfig 3

Der Raum ist normalerweise auch verdunkelt. Für die Fotoarbeiten wurde kurzzeitig das Licht eingeschaltet.

Alle Hindernisse erfordern viel Geschick, Ausdauer und vor allem Ruhe, denn man muss auch stets daran denken, richtig zu atmen.
Sollte dennoch etwas passieren, ist stets ein kompetentes Team zur Stelle. Eine Person überwacht von einem Bedienpult alle Geräte (Leiter, Laufband, Gewichtziehen) und auch mittels Wärmebildkamera die verdunkelten Käfigräume.
Überwachungsstation

Andreas Clemen

Sollte ein Kamerad in einem Käfig plötzlich medizinische Hilfe nötig haben, kann der Raum binnen kurzen Zeit vom Neben befreit werden. Der Käfig ist durch ein Stecksystem sehr leicht zu demontieren, so dass man schnell zum verletzten Kameraden vordringen kann.

Der Sanitäter, der zu Beginn den Blutdruck gemessen hat, ist bis zum Abschluss der Übung ebenfalls immer anwesend. Des Weiteren ist es seine Aufgabe nach dem Durchlaufen der Atemschutzstrecke erneut den Gesundheitszustand (Blutdruck) der Kameraden zu überprüfen. Alle medizinischen Daten sowie auch der Verbrauch von Atemluft aus den Pressluftatmer werden protokolliert und im Feuerwehrtechnischen Zentrum gespeichert.

Der genaue Ablauf der Übung kann von Atemschutzstrecke zu Atemschutzstrecke unterschiedlich sein. Wichtig ist, dass nach den Vorgaben der Feuerwehrdienstvorschrift 7 (Atemschutz) jeder AGT eine bestimmte Gesamtarbeit (Energie) verrichten muss.

In Anlage 4 der FwDV 7, im Punkt 2.1.2.2 Belastungsübung ist folgendes festgelegt:
...
Bei der Belastungsübung ist mit dem Atemluftvorrat von 1600 Litern eine Gesamtarbeit von 80 kJ, ab dem 50. Lebensjahr von 60 kJ, zu erbringen.


Zur Info: 1 kJ (gesprochen: Kilojoule) = 1000 J; entspricht z.B. der Hubarbeit, um 10kg um 10m anzuheben.

Berechnet man die Arbeit, welche ein AGT zur diesjährigen Übung in Immelborn verrichet hat, ergibt sich folgende Aufstellung:
Übung Berechnungsformel Einsetzen der Zahlenwerte Geleistete Arbeit
Endlosleiter Hubarbeit
= Masse x Erdbeschleunigung x Höhe
= 100kg x 10m/s² x 30m = 30,00 kJ
Laufband Hubarbeit
= Masse x Erdbeschleunigung
x Laufbandlänge x Steigung
18-35 Jahre:
= 100kg x 10m/s² x 300m x 12%
36-45 Jahre:
= 100kg x 10m/s² x 270m x 4,5%
> 45 Jahre:
= 100kg x 10m/s² x 260m x 3,0%
18-35 Jahre:
= 36,00 kJ
36-45 Jahre:
= 12,15 kJ
> 45 Jahre:
=   7,80 kJ
Gewichtziehen Hubarbeit
= Masse x Erdbeschleunigung 
x Höhe x Anzahl
= 25kg x 10m/s² x 2m x 30 = 15,00 kJ
Gitterkäfig empirisch ermittelt:
10 Meter Orientierungsstrecke: 4 kJ
ca. 4kJ x 30m / 10m ca. 12 kJ
Gesamt:
18-35 Jahre:  ca. 93 kJ
36-45 Jahre:  ca. 70 kJ
> 45 Jahre:  ca. 65 kJ
Nach FwDV 7, Anlage 4, Punkt 4: durchschnittliches Gewicht eines AGT: 100kg

Zum Schluss möchten wir uns herzlich bei Claudia Böhm und Andreas Clemen für die freundliche und kompetente Zusammenarbeit bedanken.


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Stand: 12.02.2011